Gesetzliche Regelungen

 


 

Fragen Sie nach – Ihr Auskunftsrecht in REACH
Händler sind nach REACH gesetzlich verpflichtet innerhalb von 45 Tagen auf Anfrage Verbraucher(innen) über besonders besorgniserregende Chemikalien in Produkten zu informieren („Right to know“). Kunden können so erfahren, ob ein Produkt einen besonders gefährlichen Inhaltsstoff enthält und somit eine bewusste Kaufentscheidung treffen. Die Auskunft ist kostenlos.

Als besonders gefährliche Substanzen gelten Chemikalien, die

  • Krebs verursachen
  • das Erbgut schädigen
  • die Fruchtbarkeit einschränken oder den Fötus schädigen
  • nicht im Körper abgebaut werden, sich dort über einen längeren Zeitraum ansammeln und/oder giftig sind
  • ähnlich schädlich sind wie die oben aufgeführten, zum Beispiel, wenn sie in das Hormonsystem eingreifen können.

Im Moment bezieht sich die Auskunftsplicht allerdings nur auf derzeit 144 Substanzen, die auf der so genannten REACH Kandidatenliste gelistet sind. Einschränkend ist auch, dass nicht alle Produkte unter REACH fallen, wie zum Beispiel Kosmetikartikel.

Fragen Sie aber dennoch nach, denn jede Nachfrage trägt zu einer Veränderung der Produktpolitik bei.

Aktuelle Liste besonders gefährlicher Substanzen (REACH Kandidatenliste) der EU


 

REACH - Europäische Chemikalienverordnung
Zum Einsatz und Umgang mit Schadstoffen in Produkten gibt es unterschiedliche Gesetz und Verordnungen. Als wichtigstes Instrument gilt dabei die europäische REACH-Verordnung, die unmittelbar in allen Mitgliedstaaten der Europäische Union Gültigkeit hat. REACH steht für "Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals", zu deutsch: Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Leider ist die Umsetzung von REACH extrem langsam und die Qualität der von der Industrie eingereichten Dossiers schlecht. Eine strengere Durchsetzung von REACH seitens der EU Staaten und der Europäischen Chemikalienbehörde ist dringend notwendig. Mehr Informationen zu REACH finden Sie unter:
Der nationalen Auskunftsstelle für Hersteller, Importeure und Anwender chemischer Stoffe, dem Informationsportal des Bundesumweltamts und der Informationsseite der EU (nur in Englisch).



EU Detergenzienverordnung und EU Biozidrichtlinie

Die Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln werden neben REACH in der europäischen Detergenzienverordnung und der Biozidrichtlinie geregelt. Ab einer bestimmten Menge müssen einige Substanzgruppen wie Konservierungsmittel, Duftstoffe oder Tenside auf der Verpackung deklariert werden, andere Stoffe sind komplett verboten. Sind Produkte z. B. reizend oder ätzend, müssen sie durch Gefahrenzeichen gekennzeichnet sein.



EU Kosmetikrichtlinie

Alle kosmetischen Produkte sind durch die europäische Kosmetikrichtlinie geregelt. Demnach müssen alle Inhaltsstoffe der Kosmetika auf dem Produkt genannt werden (INCI-Deklaration) mit Ausnahme von Duftstoffen. Diese werden unter dem Sammelbegriff „Duft“ oder „Parfum“ angegeben. Allerdings müssen 26 allergene Duftstoffe einzeln deklariert werden. Für Nanopartikel in Kosmetika gibt es seit 2012 eine Kennzeichnungspflicht. Unlösliche und biologisch nicht abbaubare Nanopartikel müssen auf der Verpackung mit „Nano“ angegeben werden. In allen weiteren Produktgruppen existieren derzeit keine Vorschriften zu Nanopartikeln, obwohl die gsundheitlichen Risiken von Nanoteilchen nicht ausreichend erforscht sind.



Textilien

Die EU verbietet für Textilien und Lederprodukte die Verwendung von Azofarbstoffen, die eines oder mehrere von 22 bestimmten aromatischen Aminen frei setzen können. Für andere Substanzen gibt es Höchstgrenzen, die ein Produkt enthalten darf, wie z. B. für Formaldehyd in Spanplatten. Es existieren jedoch zahlreiche Ausnahmen: So gilt beispielsweise die Höchstgrenze für Spanplatten nicht, wenn diese in Möbel verbaut sind.



Hormonell schädliche Stoffe

Regelungen für hormonell wirksame Stoffe, so genannte Endokrine Disruptoren (EDCs): Die Richtlinien und Verordnungen, inklusive der europäischen Chemikalienverordnung REACH, bieten keinen ausreichenden Schutz vor hormonell wirksamen Chemikalien , da diese dort als Stoffgruppe nicht erfasst sind. Hier ist dringend politisches Handeln gefordert!



EU Spielzeugrichtlinie
In der EU Spielzeugrichtlinie wurde 2009 überarbeitet und die Neuregelung für chemische Eigenschaften von Spielzeug treten im Juli 2013 in Kraft. Verboten sind einige Schadstoffe über gewissen Grenzwerten, 26 allergene Substanzen. Allerdings hat sich die Spielzeugrichtlinie hinsichtlich Schwermetallen leider verschlechtert. So ist jetzt z.B. mehr Blei erlaubt als früher. Außerdem berücksichtigt die Richtlinie keine Nanomaterialien, Neurotoxine oder hormonelle Schadstoffe. Sie bleibt daher weit hinter dem Möglichen zurück. Mehr Informationen finden Sie hier.