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Plastik – hier, dort, überall! Leider mit Nebenwirkungen

Plastik gibt es überall. Plastik ist praktisch. Plastik ist bunt. Plastik ist billig.

Plastik schadet der Umwelt. Plastik gefährdet unsere Gesundheit.

Plastik ist überall.
Plastik hält morgens unseren Coffee-to-go warm. Mittag transportieren wir unser Essen vom Lokal um die Ecke ins Büro. Wir tragen es am Körper, wir telefonieren damit, es hält unsere Lebensmittel sauber und macht sie haltbar. Plastik steckt in so vielen Dingen, Produkten und Anwendungen, dass uns oftmals gar nicht bewusst ist, dass wir gerade wieder einen plastikhaltigen Gegenstand in der Hand halten oder ein plastikhaltiges Produkt nutzen.

Generell sind mit dem Begriff Plastik Kunststoffe aller Art gemeint. Aller Art bedeutet:
Plastik in unterschiedlichsten Formen, Farben, Anwendungsgebieten, von sehr weichen Kunststoffen bis hin zu Hartplastik. Lange Zeit war Plastik ein Zeichen für Fortschritt, für ein modernes Leben.

Heute weiß man allerdings:
Plastik ist ein riesiges Problem von der Förderung von Erdöl oder Erdgas als Ausgangsprodukt, über das Hinzufügen gesundheitsbedenklicher Chemikalien bis zur Entsorgung – häufig landet Plastik im Meer und über die Nahrungskette wieder auf unseren Tellern.

Spielzeug, Schuhe, Kleidung, Geschirr, (Lebensmittel-)Verpackungen, Einwegartikel, Farben, Lacken, Kosmetik, Klebstoffen und vieles mehr kann aus Plastik bestehen. Wer hätte darauf getippt, dass Plastik auch in Farben, Kleidung und Kosmetik steckt und dass wir zum Beispiel mit unserer Schuh- und Kleiderwahl einen großen Einfluss auf die Plastikproduktion haben?

 

Warum Plastik so problematisch ist

Zunächst ist es seine Zusammensetzung. Plastik besteht aus einer großen Anzahl von Monomeren, die zu langen Ketten, den Polymeren, zusammengefügt werden. Zusatzstoffe, sogenannte Additive, werden beigemischt, um dem Kunststoff die gewünschten Eigenschaften zu geben. Die Eigenschaften, warum wir Plastik überall finden und es so praktisch ist. Mithilfe der Additive können die Formbarkeit, Elastizität, Bruchfestigkeit, Härte, Temperatur-, Wärmeformbeständigkeit und die chemische Beständigkeit je nach Wunsch und Einsatzzweck variiert werden.

Hinzu kommt: weil so viele Produkte aus Plastik hergestellt sind oder Plastikkomponenten enthalten, kommen wir ständig mit Plastik und „seinen“ gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen in Berührung. Und weil Viele der dem Kunststoff zugefügten Additive sind chemisch nicht fest gebunden sind. Sie können sie daher aus den Produkten entweichen.

Wir nehmen diese Stoffe dann beim Atmen, über die Nahrung oder über die Haut auf und reichern sie in unserem Körper an. Eine Studie vom Umweltbundesamt zeigt, dass bei fast alle getesteten Kindern und Jugendliche Rückstände von Chemikalien in Blut oder Urin gefunden werden konnten, aufzeigten, die in Plastik verwendet werden.

Problematisch für die Gesundheit sind sowohl die Monomere und Polymere als auch die als Additive verwendeten Chemikalien.

Plastik und seine Zusatzstoffe – altbekannte „Freunde”

Kunststoffen zugesetzt werden beispielsweise Flammschutzmittel, perfluorierte Chemikalien, Phthalate, Bisphenole und Nonylphenole.
All diese Chemikalien können unter anderem hormonschädigend oder krebserregend wirken. Wie bereits beschrieben, sind diese Stoffe im Plastik oftmals nicht fest gebunden – sie treten mit der Zeit aus den Produkten aus und können so in unsere Nahrungsmittel, in unsere Atemluft, auf unsere Haut gelangen oder lagern sich im Hausstaub an.

Leider ist auch Plastik aus nachhaltigen Ressourcen keine wirklich Alternative, da auch hier gefährliche Substanzen eingesetzt werden, damit das Plastik die gewünschten Eigenschaften erhält.

Zu den häufigsten Additiven zählen:

      • Flammschutzmittel
      • PFAS
      • Phthalate (Weichmacher)
      • Bisphenole

Weichmacher & Co.

Flammschutzmittel …

… werden Produkten hinzugefügt, um die Entflammbarkeit zu verringern und Brennbarkeitsnormen zu erfüllen. Deshalb kommen sie in Produkten wie Möbeln, Fahrzeugen, Kinderbetten oder Autositzen vor. Das Problem ist, dass viele Flammschutzmittel mit Gesundheitsrisiken wie einem verringerten IQ und Hyperaktivität bei Kindern, Krebs, Hormonschäden oder verminderter Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht werden.

Auch PFAS (poly- und perfluorierte Substanzen) kommen in vielen Produkten, z. B. in Lebensmittelverpackungen oder Textilien, hier besonders in Outdoor-Bekleidung, vor. Sie werden gerne wegen ihrer öl-, haft- oder schmutzabweisenden Fähigkeiten genutzt, was ihre breiten Einsatzgebiete erklärt. PFAS können massive gesundheitliche Probleme wie Nieren- und Hodenkrebs, erhöhtes Cholesterin, verminderte Fruchtbarkeit, niedriges Geburtsgewicht, Schilddrüsenprobleme und eine verminderte Reaktion auf Impfungen bei Kindern auslösen. Da sie in der Umwelt nicht abgebaut werden, werden sie auch als „Ewigkeitschemikalie“ bezeichnet.

Phthalate (Weichmacher) …

… werden beispielsweise eingesetzt, um Kunststoffe biegsam, also weich, zu machen. Verwendet werden sie in Verpackungen, Textilien, Spielzeug oder Bodenbelägen.

PVC ist ein klassisches Beispiel für ein Material, das bis zu über 70 Prozent aus Phthalaten bestehen kann. PVC wird für Bodenbeläge, für Duschvorhänge und viele andere Weichplastikprodukte genutzt. PVC steht derzeit ganz oben auf der politischen Agenda. Wir setzen uns dafür ein, dass PVC verboten wird. Phthalate werden mit Fruchtbarkeitsstörungen, Übergewicht, Insulinresistenz, Asthma, Aufmerksamkeitsdefizite und Hyperaktivitätsstörungen in Zusammenhang gebracht.

Bisphenole … 

… zum Beispiel Bisphenol A (BPA) als eine der bekanntesten und am meist produziertesten Chemikalie weltweit, sind ein Grundstoff für Polycarbonat-Kunststoffe und werden unter anderem für Beschichtungen in Dosen, in Zahnspangen, als Beschichtung in Aluminium-Wasserflaschen oder in Lebensmittelverpackungen verwendet. BPA wird mit Gesundheitsstörungen wie Brustkrebs, Unfruchtbarkeit, einer verfrühten Pubertät, Diabetes und Adipositas sowie neurologischen Störungen bei Kindern in Verbindung gebracht.

Es existiert noch eine Vielzahl weiterer problematischer Additive in Plastik, wie zum Beispiel UV- Stoffe, die vor Verformungen durch Sonnenlicht schützen sollen. Viele der Zusatzstoffe in Plastik gehören aufgrund ihrer hormonschädlichen Eigenschaften zu den EDCs (endocrine disrupting chemicals). Was EDCs sind und warum das Thema hormonwirksamer Stoffe gerade vor, während und nach der Schwangerschaft so wichtig ist, haben wir einer Extraseite über EDCs zusammengefasst.

Warum Plastik für Ihr Kind schädlich ist

Weil Kinder grundsätzlich sensibler auf Schadstoffe reagieren – Plastik ist mit seinen bedenklichen Inhaltsstoffen besonders für Kinder schädlich.

Mund-Hand-Kontakt: (Klein-)Kinder bewegen sich oft krabbelnd auf dem Boden fort und entdecken ihre Welt mit allen Sinnen. Sie nehmen so schädliche Chemikalien verstärkt, beispielsweise über den Hausstaub auf, oder indem sie sich Dinge in den Mund stecken.

Schadstoffe aus Plastik können aber auch über die Mutter zum Kind gelangen – während der Schwangerschaft und beim Stillen. Föten und Neugeborene sind besonders empfindlich, weil wichtige pränatale und frühkindliche Entwicklungsprozesse durch Schadstoffe – besonders solche, die hormonell wirksam sind – gestört werden können, und gesundheitliche Probleme bei der Geburt oder auch später im Leben mitverursachen können. Außerdem nehmen Kinder im Vergleich zu Erwachsenen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Chemikalien auf und können diese weniger gut verstoffwechseln. Niere und Leber sind als wichtige Entgiftungsorgane noch nicht ausgereift, Entgiftungsprozesse laufen dementsprechend langsamer ab.

Cocktail Effekt: Problematisch ist, dass wir nicht nur einer bestimmten schädlichen Chemikalie ausgesetzt sind, sondern vielen, aus unterschiedlichen Quellen, eben sowohl aus Plastik-, als auch aus anderen Alltagsprodukten. Wie sich diese Chemikalien in unserem Körper gegenseitig beeinflussen, miteinander reagieren ist hochkomplex und bisher unzureichend bzw. kaum erforscht.

Dieser Cocktaileffekt wird durch die Gesetzgebung nicht abgebildet, da immer nur ein einzelner Stoff bewertet wird und gegebenenfalls reguliert wird. Das bildet aber nicht die wirkliche Exposition ab, denn wir sind ständig und überall einer Vielzahl von bedenklichen Substanzen ausgesetzt.

 

 

Deshalb ist es für den Schutz von Kindern und von uns allen am besten, Schadstoffe möglichst zu vermeiden. Und da wir von Plastik wissen, dass es voller Schadstoffe steckt, ist es am besten, wo immer es geht, gleich auf Plastik zu verzichten. Ist da machbar? Wahrscheinlich nicht zu 100 Prozent, doch schon mit ein paar kleinen Tipps lässt sich eine Menge an Plastik und damit an Schadstoffen in Plastik vermeiden.

Tipps, wie ich Plastik schnell und einfach reduzieren kann

Auf Inhaltstoffe in Pflegeprodukten achten, damit z. B. kein Mikroplastik enthalten ist (Achtung: nicht von falschen Versprechungen /Greenwashing verleiten lassen).

Vor allem im Bad sammelt sich viel an Verpackungen und Plastik an. Alternativen sind Seife, Duschgel oder Shampoo am Stück.

Wiederverwendbare oder biologisch/plastikfreie Menstruationsprodukte benutzen.

Wenn Plastiktüten, dann mehrmals nutzen (z. B. als Badmüllbeutel).

Alles aus PVC vermeiden – man erkennt es am Recycling Code 03.

In allen Lebensbereichen möglichst auf Alternativen aus Glas, Holz, Metall oder Porzellan umsteigen.

 

Auch in der Küche: Kochlöffel aus Holz, Aufbewahrungsboxen aus Glas und Metall oder Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie.

Überflüssige Einwegprodukte aus dem Alltag verbannen (z.B. Plastiktüten beim Gemüseeinkauf oder Kaffeebecherdeckel).

Einwegplastikprodukte nicht wiederverwenden.

Leitungswasser trinken – das vermeidet Plastikflaschen

Getränke in Plastikflaschen möglichst vermeiden.

Unlackiertes Holzspielzeug kaufen.

Second Hand Produkte kaufen und wenn sie mal aus Plastik sind, wie zum Beispiel Plastikspielzeug, darauf achten, dass es nach 2013 hergestellt wurde, da 2013 die Spielzeugregulierungen verschärft wurden.

Unverpackt-Läden nutzen.

Beim Einkaufen auf wiederverwendbare Stofftaschen umsteigen.

Plastikprodukte so spät wie möglich/nötig in das (Kindes-)Leben bringen.

Wie dicht muss Outdoor Bekleidung sein? Da steckt viel Kunststoff drin.

Kleidung aus Naturfasern kaufen – möglichst mit Bio-Siegel.

So erkennen Sie die unterschiedlichen Plastikarten

Auf Plastikprodukten gibt es oft numerische Codes. Diese Codes geben die Art des verwendeten Kunststoffs an, sodass jeder Artikel sortiert und für das entsprechende Recycling aufbereitet werden kann.

Leider werden und können nicht alle Plastikprodukte recycelt werden. Die Recyclingraten sind in Europa immer noch sehr gering. Von den in 2017 in Deutschland angefallenen 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen wurden nur 810.000 Tonnen wiederverwertet. Das entspricht einer Quote von 15,6 Prozent. Recycling ist also auch nicht die Lösung, Plastikvermeiden sollte immer an erster Stelle stehen. Denn vieles landet im Müll – Deutschland ist der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll. [1] Das spricht Bände.

Zur besseren Orientierung erklären wir Ihnen in dieser Tabelle, was die einzelnen Codes bedeuten – aber dennoch nicht vergessen: immer nach plastikfreien Alternativen Ausschau halten.

[1] Plastikatlas, Daten und Fakten über eine Welt voller Kunststoff, 2019, https://www.boell.de/de/plastikatlas?dimension1=ds_plastikatlas (aufgerufen 17.11.21)

Code

Name und typische Produkte

Mögliche gesundheitliche Auswirkungen

Recycling und Verbrennung

Polyethylenterephtalat

Getränkeflaschen, Lebensmitel- und Gesundheitsverpackungen, Polyester in zahlreichen Textilien

Flaschen aus PET können hormonell wirksame Stoffe ins Wasser abgeben.
Gibt mit der Zeit gesundheitsschädliches Acetaldehyd und Antimontrioxid in die Flüssigkeit ab.

Recyclebar.

Polyethylen hoher Dichte

Getränkekästen, Plastikflaschen, Küchengeschirr, Plastiktüten, Folien, Plastiktuben

Können bei direktem Sonnenlicht den Hormonstörer Nonylphenol ausbilden.

Recyclebar.

Polyvinylchlorid – unbedingt meiden!

Produkte Hart-PVC: Abflussrohre, Fensterprofile

Produkte Weich-PVC:

Bodenbeläge, Kinderspielzeug, Schläuche, Kunstleder, Vinyl-Tapeten, Dachbahnen, Schwimmreifen, Dichtungen uvm.

Gravierende Gesundheits- und Umweltprobleme von der Produktion bis zur Entsorgung. Kann viele gesundheitsschädliche Weichmacher abgeben. Der Ausgansstoff Vinylchlorid ist krebserregend.

Aufgrund der Weichmacher ist das Recycling schwierig, bei Verbrennung entstehen giftige Dioxine.

Polyethylen (PE)
Getränkekästen, Plastikflaschen, Küchengeschirr, Plastiktüten, Folien, Plastiktuben

Bei zu starker direkter Sonneneinstrahlung kann das Hormongift Nonylphenol austreten.

Recyclebar.

Polypropylen:
Plastiktüten, Lebensmittelverpackungen, medizinische Geräte, Sitzbezüge

Hitzebeständig und relativ stabil. Nach längerer Zeit können Stabilisierungsmittel austreten.

Recyclebar.

Polystyrol:
Styropor, Joghurtbecher, Isolierung elektrischer Kabel, Schaltergehäuse, Verpackungsfolien

Recycling schwierig, Verbrennung problematisch.

Other, darunter fällt auch Polycarbonat (PC) – unbedingt meiden!

Mikrowellengeschirr, CD-Hüllen, Trinkflaschen

Hier wird das hormonell wirksame Bisphenol A (BPA) freigesetzt und kann endokrin wirken. Hier gibt´s mehr Infos zu EDCs.

Polyurethan (PU):

Textilfaser Elastan, Polyurethanschaumstoff (Matratzen, Autositze, Sitzmöbel, Küchenschwämme, Dämmstoffe uvm.)

Recycling schwierig, Verbrennung wegen Dioxin-Entstehung problematisch.

Other – am besten meiden!
Andere Kunststoffe, darunter gemischte oder geschichtete Kunststoffe mit unbekannten Verbindungen

Nicht recyclebar.

Polymilchsäure (PLA) - aus nachwachsenden Rohstoffen (bspw. Maisstärke) - 
Lebensmittelverpackungen, Einweggeschirr/-besteck

Auch oft als Biokunststoff bezeichnet, häufig als Mischungen mit Polymeren auf Erdölbasis und zahlreichen Additiven.

Biologisch abbaubar in industriellen Kompostieranlagen.